Der Schreibratgeber: Klare Worte für Verein & Co.
Besser schreiben – mehr bewirken
Leseprobe:
"Gute Texte leben von besseren Rückmeldungen:
Lesen & lesen lassen
Wollen Sie andere Meinungen zu Ihrem Werk einholen? Tun Sie es! Wer mitten in einer Sache steckt, kann diese nur schwer mit Abstand betrachten. Außen- Ansichten bereichern Sie mit neuen Perspektiven. Vorausgesetzt Sie wählen das passende Pendant.
Wer drei Leute um Rückmeldung bittet, muss mit vier gegensätzlichen Hinweisen rechnen. Wundern Sie sich nicht: Nutzen Sie die dargebotene Vielfalt. Vieles bleibt eine Frage von Rahmenbedingungen, Vorlieben und Interesse. Letztlich entscheiden die besseren Argumente. Aber die erfahren Sie meist nur, wenn Sie nachfragen. Gehen Sie der Kritik also kritisch auf den Grund. Bitten Sie munter um Erläuterung. Dann werden Sie erkennen, wo Geschmacksfragen enden und wertvolle Tipps beginnen. Allerdings kann auch guter Geschmack einem Text nicht schaden. Fragen Sie einfach die Leute um Feedback, deren Geschmack und Meinung Sie gerade bei diesem Text am meisten interessiert.
Kennen Sie das? Die Zeit drängt und Sie möchten nur kurz von der Kollegin wissen, ob Ihr Text verständlich ist. Statt dessen macht die sich gründlich ans Werk, stellt Ihre Hauptthese in Frage und den gesamten Text auf den Kopf.
Damit Ihre Test-Leserinnen und -Leser Ihnen die Hilfe geben können, die Sie wünschen, sollten Sie Ihnen vor dem Lesen sagen, was Sie wollen. Welche Anregungen möchten Sie überhaupt hören? Soll es nur rasend schnell das Wichtigste sein, oder radikal in Ruhe an die Wurzeln gehen? Geht es um Inhalt oder Sprache, um einen logischen Aufbau oder um einige besonders sensible Punkte? Ist der Text in Ihren Augen so gut wie fertig, oder verträgt noch reichlich Überarbeitung? Rückmeldungen zum frühen Rohentwurf sollten sich auf den Inhalt konzentrieren: Was ist bereits gut durchdacht und was noch unausgegoren und zu klären? Welche Ideen sollten ausgearbeitet werden? Welche Informationen passen zur Zielgruppe und welche weniger? Erst in der Abschlusskorrektur geht es um inhaltliche und sprachliche Feinheiten.Redigieren Sie die Texte anderer, dann lassen Sie sich ebenso eindeutig instruieren. Und denken Sie daran: Es ist nicht Ihr Text, sondern der des Autors bzw. der Autorin. Und: Sie um diesen Gefallen zu bitten, ist (neben dem Wunsch nach Unterstützung) immer auch ein Vertrauensbeweis. Gehen Sie sorgsam mit diesem Vertrauen um. Den eigenen Text zur Diskussion zu stellen, macht zuweilen verletzlich. Es kann kleine und große Schultraumata reaktivieren und ist nicht selten eine kleine Mutprobe.
Konstruktive Kritik: Das Feedback zum Text
- Beginnen Sie mit allem, was Ihnen gut gefällt. Begeben Sie sich bewusst auf die Suche nach Stärken. Auch Halb- und gute Ansätze sind erwähnenswert. Was stört oder fehlt, fällt uns leichter auf. Aber hätten Sie Lust, nur zu hören, was nicht gelungen ist? Nur ein ausgewogenes Feedback, kann uns den Rücken stärken.
- Seien Sie ehrlich und adäquat: Wenn Sie jede Kritik höflich scheuen, verweigern Sie Ihrem Gegenüber die Chance zu lernen. Aber das Pensum muss stimmen; Überforderung führt zu Hilflosigkeit. Auch Kritik ist Kommunikation, die sich an den Möglichkeiten und Grenzen der ‚Zielgruppe’ orientieren sollte.
- Seien Sie konkret: Keine Wertung ohne Beleg. Hilfreich sind Ihre Rückmeldungen, wenn Sie sie an Textbeispielen erläutern. Denn diese machen das Problem greif- und damit lösbar. Konkrete Details sind zudem weniger kränkend als globale Kritik.
- Stehen Sie in allen Ansichts-Sachen zu Ihrer Subjektivität und seien Sie eindeutig objektiv, wo Ihre Expertise gefragt ist.
- Lassen Sie zu, dass der Text nicht durch Ihre Gedanken führt, sonder durch die des Autors bzw. der Autorin.
Fragen für den Blick von außen:
1. Wer wird den Text lesen – in welcher Form oder welchem Medium?
2. Ist er für die Zielgruppe interessant?
3. Ist die Hauptaussage verständlich? Wird klar, was er vermitteln soll?
4. Ist der Text prägnant? Kommt er zur Sache oder verzettelt er sich?
5. Entspricht seine Länge dem Inhalt?
6. Ist der Struktur, dem Gedankengang gut zu folgen? Bauen die Informationen sinnvoll aufeinander auf?
7. Bringt er das Wichtigste zuerst? Folgen die anderen Inhalte entsprechend ihrer Bedeutung?
8. Gibt es überflüssige Wiederholungen oder Widersprüche?
9. Sind die einzelnen Informationen richtig, vollständig, hinreichend differenziert, überzeugend, eindeutig und anschaulich dargestellt?
10. Sind die Übergänge zwischen Absätzen und Gedankengängen nachvollziehbar?
11. Sind die Sätze kurz genug?
12. Sind die Überschriften angemessen und ansprechend?
13. Ist der Stil stimmig? (z. B. auf Skalen zwischen den Polen ‚Distanz und Nähe’, ‚fachlich und flapsig’, ‚abstrahierend und konkret’ etc.)
14. Könnten Tabellen, Grafiken oder anderes den Text bereichern?
15. Ist er übersichtlich gestaltet und auch dadurch gut lesbar?
16. Erfüllt er seine Funktion?
17. Spricht er für die Organisation, für die er geschrieben wurde? Was sagt er Gutes über sie?"
Eine Leseprobe gegen Schreibblockaden finden Sie bei www.text-coach.de.
